#1 Januar 2021 Weihnachten und Sylvester fielen wegen dem neuen Lockdown praktisch aus. Ich nutze die Feiertage für einen Trip auf den tief verschneiten Lukmanier, diesmal ohne Wohnmobil. Am 9. Januar verspricht der Wetterbericht einige schöne Tage. Ich ziehe nach Mirolago am Lago Maggiore. Der Platz ist recht gut besucht, ich zähle 32 Wohnmobile verschiedenster Art. Aus den geplanten 3 Tagen werden zwei Wochen. Ein Tag ist schöner als der andere. Mirolago profitiert im Winter von der Lage; die Sonne zeigt sich kurz vor 9.00 und verschwindet erst gegen 17.00, dann in der Regel in einem atemberaubenden Sonnenuntergang.

 

Unter Tags ist es recht warm und angenehm, kaum ist die Sonne weg wird es jedoch eiskalt. Die Heizung brummt zufrieden vor sich hin und der Lockdown grüsst - tägliches Kochen ist angesagt, was meiner notorischen Abneigung gegen Einkaufen und Küchen putzen irgendwie gut tut - anders gehts im Moment einfach nicht. Der nächste Take Away ist eine Stunde Fussmarsch entfernt, und die gebratenen Hühner vom Coop kann man ein oder zweimal einsetzen, aber kalte Vögel essen wenn es draussen gefriert ist jetzt auch nicht so meins. 

 

Das Publikum ist dieses Mal interessant - viele "Gestrandete", wie wir uns dieser Tage nennen, die meisten wollten eigentlich im Süden überwintern. Mir gefallen diese Typen, sie sind sehr kontaktfreudig aber nie aufdringlich, die Gespräche interessant, und einige der Mirolago-Einwohner kenne ich schon von anderen Plätzen. Man trifft sich abends an der grossen Feuerschale am Strand auf ein Bier, und mir wird fast schockartig bewusst, dass ich mittlerweile diese Art Leben sehr lieb gewonnen habe. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich wie der letzte Pirat fühlt, aber das kann man brechen. Ich bin soviel draussen, dass ich auch etwas weniger faulenze; 10 km zu Fuss, und zwar täglich. Diese schafft man perfekt, wenn man nach Locarno in's Zentrum watschelt oder sich im Val Verzasca ein wenig den Berg hochquält. Beides ist zwar im Moment jetzt nicht so spannend, aber in Locarno findet sich da und dort wenigstens ein Take Away, der richtigen Kaffee hat. 

 

Am 18.1. fahre ich nach Zürich. Mein Rollhäuschen starrt vor Salz, Blättern und Erde und braucht einen Service. Ich habe das Mobil quasi im Dauereinsatz; mit etwas Disziplin schafft man es, seine Hütte innen im Schuss zu halten, aber aussen kleben noch hartnäckig Insekten vom Sommer. Eine Keramikversiegelung verspricht Abhilfe; auf dieser Beschichtung bleibt weniger haften, bei Regen perlt das Wasser schön weg, es setzt sich weniger Dreck an und die Putzerei ist viel einfacher. Die Uebung dauert 10 Tage, ich werde mich also im Februar wieder an den Blog setzen.

#2 Februar 2021 ich bin absolut begeistert von der Versiegelung, gerade getestet im dicken Salzschleim am Gotthard in Richtung Mirolago, wo ich am Abend lande. Der Hymer sieht besser aus als neu! Das nenne ich schwarz, nicht mehr dieses gräuliche Zeug mit Chemieschmiere drauf. Wer interessiert ist - passt übrigens auch für PW‘s - ruft André Vogel bei ACW Aarau 0628245454 an. Infos sonst auch bei mir. Die Jungs haben wirklich einen Superjob gemacht. Der Kontakt hat mir auch viel Spass gemacht, denn André ist mit Leib und Seele dabei. 

 

Ich habe mich gefragt, ob der weiterhin eingeschränkte Radius noch spannende Geschichten hergibt. Schliesslich toure ich nun seit einem Jahr nur in der Schweiz. Dabei ist mir Gregorio in den Sinn gekommen. Gegrorios Familie betreibt in Kalabrien eine kleine Manufaktur für Olivenöl. Er spaziert im Sommer jeden Tag über die verschiedensten Campingplätze im Tessin und Norditalien und verkauft das Oel direkt.

 

So haben auch wir uns kennen gelernt. Ich bin ein Fan seines Produktes, es hat diese bestimmte grüngelbe Farbe und den leicht nussigen Geschmack jener Oele aus der Toscana, die Preise gewinnen. Ich habe gerade versucht, dieses Oel in kleinere Buddeln umzuleeren; von der Kälte ist das Ganze eine Oelcreme geworden und ich stelle die Mutterflasche mal ein wenig neben die Heizung.

 

Wer Früchte und Gemüse mag, aber die Kühlware unserer Grossverteiler, die schon im Gestell fault, nicht haben muss, wartet auf Salvatore; ich nenne ihn so, weil ich seinen Namen nicht kenne; Salvatore spricht nämlich nicht. Er fährt im kleinen Lieferwagen über die Campingplätze und macht mit einer Veloglocke auf sich aufmerksam. Bei ihm gibts Ware direkt von den italienischen Märkten, wie diese unvergesslichen faustgrossen tief violetten Feigen, die saftig und süss sind wie Honig. Ich habe mich buchstäblich zu Tode gefressen. Leg Dir 150 Gramm Prosciutto di Parma daneben und stirb.

 

Den besten Parma gibt‘s in Melano bei Manzocchi, kommt ebenfalls direkt aus Italien. Die Metzgerei verkauft auch unzählige Käsesorten aus den verschiedenen Tessiner Tälern, darunter diese abartigen Schafs- und Ziegendinger; etwas Olivenöl und Pfeffer rein, zermantschen, 24 Stunden stehen lassen und sich dann die Haare ausreissen, weil man das Brot vergessen hat.. 

 

Ich schreibe diese Geschichten in Mirolago. Alles ist gemacht, Strom da, Gas knapp (wieder mal), Wasser aufgefüllt, Bett frisch angezogen, WC befüllt. Während eine Minestrone aus der Dose vor sich hinblubbert - von eben einem dieser zwei Grossverteiler - und zwei Landjäger - vom anderen Grossverteiler- gerüstet sind, suche ich den Parmesan und träume vom Sommer - aus rein kulinarischen Gründen! Morgen werde ich etwas mehr Aufwand treiben und eine Bolognese kochen, die dann über das letzte Pack handgemachter Gnocchi gekippt wird. 

#3 Februar 2021 Am 19.2.2021 fahre ich Richtung Zürich, bleibe drei frustrierende Tage zuhause und verlege am 22.2.2021 über den Julierpass nach Pontresina auf den Morteratsch.

Warum frustrierend? Ich will es mal so ausdrücken; immer wenn ausgewachsener Mist aufgetischt wird und keiner da ist den man an der Nase nehmen kann, wirds schwierig. Also anders gesagt, wen rufe ich an wenn mir morgen der Kragen platzt wegen all dieser Lügen und Ungereimtheiten rund um diese angebliche Pandemie? Den Bundesrat? 

Der Platz ist fast voll, meterhohe Scheemauern und ein Klima wie in einem Gefrierschrank. Hier ist es richtig Winter. 

In der Nacht fallen die Temperaturen auf minus 11 Grad, tagsüber ist es aber warm und ich habe es mit harter Arbeit erneut zu einem Sonnenbrand geschafft. Es taut ziemlich stark, am Nachmittag wird das Herumstreunen am Gletscher mühsam und auch etwas risikoreich. Man weiss nie ob die Unterlage trägt. Wenigstens darf der Morteratsch das Restaurant offen halten, nach 2 Monaten Heimküche ist das Luxus, was Normalität sein sollte in einem freien Land.