Ep 1 Januar 2022. Ich bin seit dem 8. Dezember 2021 wieder im Miralago in Tenero bei schönstem Wetter. Der Platz ist proppenvoll, und nicht nur mit erfreulichen Exemplaren unserer Gattung. Weihnachten und Neujahr sind ruhig und besinnlich. Die Nachbarn fürchten offenbar um mein Seelenheil; tatsächlich sieht man um diese Zeit keine Einzelreisende, und ich weiss es ist gut gemeint. Aber ich kann mit diesen Stehparty's, bei denen das Niveau so schnell sinkt wie der Alkoholpegel im Blut steigt, immer weniger anfangen.

 

Am 6. Januar kommen meine Freunde aus Ponte Tresa und Melide zu Besuch. Ich freue mich schon Tage vorher auf die beiden! Wenn man längere Zeit an einem Ort ist, sind neue Bekanntschaften unvermeidlich; man tauscht, wenn's passt, die Telefonnummern, und tatsächlich bildet sich mit der Zeit ein kleines Netz an Personen, die sich unterwegs dann wieder suchen, und sei es nur für einen Grillabend irgendwo in der Pampa. Dass sich daraus allerdings enge Freundschaften entwickeln ist eher selten. 

 

Am 18. Januar 2022 ziehe ich los nach Zürich. Ich bin etwas Campingplatz-müde. Es zieht mich dieser Tage wie verrückt zum Abenteuer - losfahren ohne Plan, nur eine allgemeine Richtung im Kopf. Vorderhand wird das aber nur beschränkt gehen. Als emotionalen Feuerlöscher benutze ich meine Fotoalben und surfe etwas zurück in die Zeiten vor dem Kronenkäfer. 

 

EP 2 Januar 2022.  Im Oktober 2019 bin ich aufgebrochen, um ein Jahr unterwegs zu sein und auf den Winter 2020 in Marokko zu landen. Nachdem ich über die Magistrale entlang der kroatischen Küste Dubvronik erreicht hatte, setzte ich nach Italien über und strandete für 12 Tage im Sturm in Salerno in der Nähe von Neapel. 


Während eines kurzen Wetterfensters konnte ich via Kalabrien nach Apulien ausweichen. In Sizillien holte mich der Sturm erneut ein. Dann endete der Trip im ersten Lockdown, der mich zwang, in die Schweiz zu fahren.

Kroatien Oktober 2019

Salerno November 2019

Apulien Dezember 2019

Apulien Januar 2020

Ep 3 Februar 2022 Es hält mich nicht lange zu Hause. Ich pendle etwas zwischen  Mugnaio im Valle di Blenio, Tenero und Agno. Mugnaio ist ein kleiner Stellplatz ohne grossen Komfort in der Nähe von Semione und paradiesisch ruhig. Freistehen, das ist es eigentlich und dafür habe ich auch entsprechende Technik an Bord.

Seit anfangs Dezember letzten Jahres hat es weder geregnet noch geschneit. Am 15.2. zieht in Agno endlich eine Störung durch und legt eine dichte Schneedecke. Zwei Stunden später sitze ich wieder an der Sonne. Der Frühling ist nicht mehr weit.

Seit dem 17.2.2022 sind die Kronenkäfer Massnahmen grösstenteils aufgehoben. Ich installiere mich in Agno Muzzano mit der Idee im Kopf, am 21.2.2022 in‘s Engadin und das Val Mustair zu fahren. Es sind aber grössere  Neuschneemengen und Sturmwinde angesagt. Ich halte die Füsse still, und tatsächlich kriegt der ganze Osten über Nacht eine Packung Neuschnee. Die Windgeschwindigkeiten erreichen gegen 140 km/h. Also warten. Es ist wie beim Segeln sagt mein bester Freund. 
Ep 4 März 2022 Ich bin fast zwei Wochen in Zürich wegen Arztterminen und packe die Gelegenheit, um einige Freunde zu besuchen. Am 20.3.2022 fahre ich bei schönstem Wetter nach Mugnaio und am 26.3.2022 weiter nach Agno.

Seit dem 2.4.2022 bin ich wieder in Melano, erneut im Warteraum. Wenn die Italiener dann auch mal noch ihre Pandemie beenden, wäre die Zeit gekommen, die Segel zu setzen.

Mir fehlt mittlerweile das Land. Ja klar, Spanien, Holland oder Frankreich oder gar der hohe Norden wären auch spannend, aber es ist mir viel zu kompliziert. Formulare hier, Test da. Italien lag früher um die Ecke, seit 2 Jahren ist es wie eine Reise zum Mond.

Ich habe auch etwas Angst, was ich antreffen werde; die Italiener waren schon vor der Pandemie ziemlich am Ende. 2 Jahre konsequenter wirtschaftlicher Kahlschlag ist sicher nicht spurlos geblieben. Es ist, als müsste ich losziehen und nachsehen, was geblieben ist. 
Ep 5 April 2022 Von Corona redet eigentlich niemand mehr. Schaut man genauer hin, haben Stand heute gerade mal 10 europäische Länder ihre Massnahmen ganz beerdigt, der Rest hält weiterhin an Zertifikaten und Tests fest, einige ohne Nennung eines Enddatums.

Ich schaue mir gerade das Glitzern der Sonne im Wasser an; die Pflanzen blühen explosionsartig, die Enten sind mit Nachwuchs beschäftigt und meine Nachbarn ziehen langsam ein.

Mir fällt ein, der Natur ist es sowas von egal, was wir hier basteln. Mich beruhigt das; sie wird einfach weitermachen, auch wenn wir dann endlich mal damit fertig sind, mutwillig alles kaputtzumachen.
Ep 6 Mai 2022 Der Mai ist ein traumhafter Monat am Lago di Lugano. Nach einigen Touren in Norditalien schlage ich hier erneut Wurzeln.

Es ist bereits Sommer, die Temperaturen erreichen teilweise 29 Grad, nachts läuft auch keine Heizung mehr und um 22.00 sitze ich in kurzen Hosen draussen und schreibe. 

Aber wo sind die Leute… Letztes Jahr standen hier Wohnmobile, Busse und Wohnwagen Tür an Tür. Jetzt ein paar Autos, locker gestreut. Eigentlich wie vor dem Kronenkäfer.

Die Ruhe ist wunderbar, ich bewege mich gar nicht gross, ein bisschen Töfffahren, mal einen Abstecher auf meinen geliebten Lukmanierpass, zwei drei Tage in Disentis, ein paar Freunde auf Besuch, mehr brauch ich nicht. Klar gibt es Pläne, aber eher für den frühen Herbst. Dann wird man auch sehen, ob die Europäer mit allen Plagereien fertig sind und wie die Situation im Osten ist. 
8. Juli 2022 Blog pausiert. Die Planung von längeren Reisen ist derzeit wenig sinnvoll. Die Welt bewegt sich entlang Corona, politischem Unsinn und der Lage im Osten.

Da ich wenig Lust auf Komplikationen habe, bewege ich mich weiterhin in der Schweiz und gelegentlich in Norditalien. Italien dürfte das erste Land in der Nähe sein, das nächstens wieder Massnahmen verhängt. Wohl deshalb scheint der Massen-Tourismus gerade in andere Länder zu fliessen.

Kroatien ist dafür derzeit übervoll, da das Risiko erneuter Komplikationen eher gering ist. Frankreich und Portugal verlangen weiterhin verschiedene Tests, während Spanien zwar offen ist aber nur via Frankreich oder auf dem Seeweg erreichbar. In Holland gibt es Unruhen, und weiter östlich steigt das Konfliktrisiko weiter an. 

Ich denke mir, über das Zigeunern in der Schweiz habe ich genug geschrieben und will meine Leser nicht langweilen. Ich mache weiter, sobald es Interessantes zu berichten gibt.

Nur ein Gedanke zum Schluss: der beschränkte Radius birgt auch sehr viel Gutes für mich persönlich. Ich will oft anhalten und zufrieden sein im schönsten und abwechslungsreichsten Land der Welt!