Unterwegs

Seit Ende Juni 2019 bin ich solo unterwegs. Ich habe meine Basis in der Schweiz auf den Camping Paradiso am Luganersee verlegt und hier den Sommer und Herbst verbracht, mit Abstechern in‘s Engadinund Veltlin, nach Kroatien, Bosnien und Italien, ohne feste Route oder irgendwelche Organisation. 

Das konstante Alleinreisen ist alles andere als ein Schokoladekuchen. Interessant, welches Bild sich viele Menschen davon machen - ‚hast du es schön so frei zu sein’ oder ‚ich beneide Dich um Dein selbstbestimmtes Leben‘. 

Es ist manchmal tatsächlich schön; dann wieder kompliziert und oft auch emotional belastend. Wer mit sich selber ehrlich ist weiss; wir sind keine Einzelkämpfer von Natur aus und wer einer sein will oder durch äussere Umstände zum Alleingeher wird muss Kraft einsetzen und das üben.

Mir ist bewusst diese Art Blog wird nicht von vielen Menschen gelesen werden. Das ist mir auch recht; wer ihn finden muss, um für sich etwas daraus zu ziehen, wird ihn finden. 

Der neue Anfang

Im August 2019 habe ich schweren Herzens unser grosses Wohnmobil gegen ein kompakteres mit 6 Metern Länge auf der Basis eines Kastenwagens eingetauscht. Wer unsere Reiseblogs Zigeunern gelesen hat weiss, dass wir bis im April 2019 oft auch zu viert unterwegs waren. Allein macht das zwar wenig Sinn, so ein grosses Teil zu fahren, aber es geht. Ich konnte aber mit unserem Walfisch auf Dauer nicht glücklich werden; es war unser Zuhause und allein fühlte ich mich wie in einem Vakuum.

Mit diesem Hymer Grand Canyon habe ich im Oktober 2018 schon mal geflirtet, denn für unsere Art Reisen und Leben wäre er auch ideal gewesen. Ich war auch damals schon viel allein unterwegs, die Kids schon etwas grösser.. 

Die kompakteren Masse erleichtern das Handling und Du kommst überall durch. Dafür ist der Wohnraum kleiner. Er reicht aber aus; dank dem Hubdach, das übrigens beheizbar ist, wird mit zwei Handgriffen aus dem Egomobil ein vollwertiger 4 Plätzer. 

Gehversuche

Neue Motoren fahre ich gern auf Passstrassen ein - viel schalten, viel Lastwechsel und viel Bremsen. Am 25. August fahre ich über den Julierpass nach Sankt Moritz und bleibe 2 Nächte auf dem TCS Camping. Am 27. über die Bernina nach Poschiavo auf den Camping Boomerang für 2 Nächte und am 29. via Tirrano Sondrio und Lecco nach Melano. 

Diese Route sind wir 2016 auf unserer ersten Reise, damals mit einem gemieteten Wohnmobil, gefahren. Ja ich weiss heulen ist nichts für richtige Männer - mir egal, wenn es weh tut dann halt.. 

Ich bin erst 2 Monate solo unterwegs aber ich spüre es geht manchmal an meine Grenzen. Zum Glück habe ich eine klare Vorstellung was ich nicht tun soll. Meine sozialen Kontakte beschränken sich auf gelegentliche kurze Flachse mit Kellnern, Kassiererinnen oder anderen Reisenden und schriftlichen Kontakt zu meinen wenigen aber wertvollen guten Freunden. 

Ich habe ja auch schon viel Erfahrung mit dem Alleingängertum. Allerdings in einer anderen Zeit und als anderer Mensch.

Gut, schön. Ich fühle mich schrecklich und für den Moment geht es mal wieder nur mit Krücken weiter. 

Wo ist zuhause?

Eines Abends fahre ich spät am Abend nach Zürich und merke, ich freue mich schon auf die Rückfahrt. Paradiso in Melano ist der Ort geworden, den ich meine, wenn ich sage ich will nach Hause.

Es ist Anfangs September; Traumwetter, warm, tagelang bin ich der einzige Einwohner hier. Es ist mehr als ruhig bis auf die Wochenenden, dann füllt sich der Platz rasch für einige Tage. Es ist schon merkwürdig; meine Post kommt hierher, ich habe alle wichtigen Dinge hier, wasche, putze, kaufe ein, koche... Meine Nachbarn schauen zur Wohnung in Zürich und den Pflanzen. 

Ich verbringe viele Stunden mit Planung. Was sind die nächsten Schritte? Dabei falle ich erneut in ein Loch. Wer plant denkt in der Zukunft und das ist unerträglich in einer Situation, in der schon die Gegenwart schwierig ist. Ich komme also so nicht klar. 

Wie gut ich das schon kenne... Du stehst am Morgen auf und schon für das Aufschrauben der Kaffeemaschine musst Du Dir einen Tritt geben. Arbeit an sich selber, ich schlafe schlecht, bin am Morgen durcheinander und schlecht koordiniert. Ich telefoniere und hole mir nochmals gute Ratschläge. Und höre mit dem Planen auf.

Mitte September habe ich genug. Ich packe spontan zusammen und fahre Richtung Kroatien los. Kein Plan, einfach los. 

Kroatien

Am 16. September 2019 fahre ich vom Melano nach Senji in Dalmatien. Mit Kroatien verbinden mich bisher zwei an der Bora gescheiterte Versuche, mit dem Töff die Magistrale zu fahren; 2014 allein, 2019 mit meinem Freund Christoph. 2014 habe ich am Westende der Stadt das Autocamp Skever entdeckt. Das wird meine Basis in Kroatien. Ich liebe diesen Platz. 

Von hier aus reise ich nach ein paar Tagen weiter nach Starigrad, auf die Insel Murter und weiter bis Dubrovnik. Ueberall bleibe ich vier bis fünf Nächte. Die Pesterei und Kilometerbolzerei bringt nämlich nichts; es fällt mir noch schwer, aber es ist viel gescheiter an einem Ort länger zu bleiben, dann kriegt man auch Kontakt zu den Leuten.

Kroatien erinnert mich an das alte Italien. Landschaftlich wunderschön, tiefblaues klares Meer, gutes hausgemachtes Essen und eine spezielle Architektur, die grösstenteils noch von den Veneziern stammt. Die Menschen sind etwas verschlossen, knackst Du die Barriere ist es sofort Freundschaft. Die beiden Brüdern, die das Autocamp und das Restaurant betreiben, verabschieden sich als Freunde. 

Seit ich in Kroatien bin kann ich die Gedanken nicht ordnen; es denkt und eines Abends greife ich zur Flasche und fülle mir sinnlos die Lampe. Zwei Tage später, in Dubrovnik merke ich, dass ich krank werde. Es fühlt sich wie eine Erkältung an, dann fängt die Lunge an zu brennen und ich bekomme Fieber. Zwei Tage seuche ich rum, dann fahre ich über Senji in zwei langen Etappen zurück Richtung Melano. 

Nicht wirklich schlimm

Am 2. Oktober schlage ich in Melano auf; mir reicht die Energie gerade noch um das Auto zu verkabeln; 39 Grad Fieber, Lungenentzündung. Pedanten wie ich sind nicht immer amüsant, aber wenn es brennt, ist wenigstens das Zeug da, das es braucht. 

Die Zink und Vitamin C Bomben helfen allerdings nicht mehr, etwas Antibiotika muss an den Start. Ich muss zugeben, wenn es kränkelt und man im Bett bleiben muss oder will wäre eine Wohnung angenehmer - und Nachbarn auch. Nach drei Tagen bessert sich die Lage deutlich, und nach einem riesigen Fleischspiess bin ich fast wieder ok. 

Ich lebe etwas in den Tag rein, das Wetter ist immer noch top, organisiere meine Sachen und überlege mir jetzt konkret, im Süden zu überwintern. Dazu muss ich aber Ende Oktober nach Zürich fahren und einiges erledigen. Ich organisiere auch einige Treffen mit Freunden und Freundinnen, die ich lange nicht gesehen habe. 

Es wird überdeutlich, das ist meine alte Welt und die gibt es so nicht mehr. Manchmal fährt das richtig unter die Haut; an solchen Tagen hilft nur das Wissen, dass es auch die besseren Tage gibt, und viel Vertrauen in sich selber. 

Am 13. Oktober hat mein Bruder, der im Tessin lebt, Geburtstag. Wir kapern uns ein Linienschiff und fahren über Gandria und Morcote nach Brusino Arsizio, wo wir als Kinder oft in den Ferien waren. Manchmal sind solche Orte kaum wieder zu erkennen; hier ist die Zeit stehen geblieben. 

Ich habe noch genug Zeit bis Ende Monat. Am 19. Oktober fahre ich wieder ab nach Bologna. 

Meine Stadt der Engel

Ich bleibe fünf Tage in dieser für mich wahrscheinlich schönsten Stadt Italiens. Der Campingplatz, von der Stadt betrieben, liegt etwas ausserhalb der Stadt, jedoch gibt es gute Busverbindungen, Taxis sind auch nicht teuer und auch zu Fuss schafft man es.

Ich kenne mich gut aus in der Stadt und habe unterdessen so meine Hot Spots wo man fantastisch essen kann. Um das zum Campingplatz gehörende Restaurant habe bisher einen Bogen gemacht. Am zweiten Abend hat es geregnet, ich hatte einen Bärenhunger, wieder mal zu faul gewesen um einzukaufen.. Auch die Aussicht auf einen verbrannten Hamburger mit schlappen Fritten war besser als nochmal in die Stadt zu gehen. 

Nix Hamburger; Bologneser Spitzenküche. Tagliatelle al Ragu, gegrillte Calamari, Filetto di Tonno... Wenn man eine italienische Köchin genug ernstgemeint lobt wird man adoptiert - und dass sie Dich nachher mit Tesoro (Schatz) anspricht muss keinem die Nackenhaare stellen, vor allem wenn sie 70 ist. 

Mit etwas Sorge studiere ich die Wetterberichte für Süditalien. Ich habe vor, anfangs November Richtung Sizillien aufzubrechen und da den Winter zu verbringen. Im Moment sieht es danach aus als wäre dafür ein Boot geeigneter als ein Wohnmobil... heftige Stürme prügeln die Küste und richten Schäden an. Ich werde trotzdem fahren. 

Zürich

Am 29. Oktober packe ich in Paradiso alles zusammen und fahre nach Zürich. Unwahrscheinlich was sich zusammen läppert wenn man ein paar Monate weg will. Die Post muss organisiert sein; was braucht man unterwegs; welche Dinge können nicht warten; welche Leute muss ich noch sehen, welche kann ich noch sehen; wieviele Zigaretten brauche ich bekommt man die Dinger unterwegs, Gasflaschenadapter für Italien, Waschmittel.. es hört nicht auf. 

Ich schaffe die ganze Uebung in knapp 5 Tagen, dann bin ich abfahrbereit. Paradiso ist unterdessen zu, ich bleibe noch ein paar Tage in Muzzano Agno. Hier ist es allerdings einsam und öde, dazu kalt, aber ich habe meinem Bruder versprochen nochmal im Tessin anzuhalten bevor ich in‘s Winterquartier segle. 

In Muzzano waren wir zuletzt zu viert, am Sylvester 2018/2019. Hier auf genau dieser Bank haben wir am Neujahrsmorgen Kaffee getrunken. Ich fühle mich wieder als hätte mich jemand von hinten mit einem Hammer geschlagen. In meinem Kopf ist ein Wirrwarr.

Mit diesem Salat im Kopf fahre ich am 6.11.2019 in Richtung Süden. Erstes Ziel ist Salerno unterhalb von Neapel. Ich will, wenn es geht, erst im März 2020 zurückkommen, weiss aber schon dass ich die Tour spätestens im Januar für zwei Wochen unterbrechen muss. Die Idee, einmal monatlich zwei drei Tage nach Zürich fliegen kann ich vergessen, bis ich in Sizillien bin, denn das Wetter zwingt mich auf eine andere Route.

Salerno und Neapel

7.11.2019 Kurz nach Parma bin ich so fertig dass ich erneut in Bologna für eine Nacht anhalte. Unterdessen habe ich hier wie eine Familie. Am 8.11. erreiche ich den Camping Lido di Salerno in Pontecagnano bei Sturm. Es ist der einzige ganzjährige offene Campingplatz an diesem Küstenabschnitt. 

Ein typischer süditalienischer Platz. Charmant, auch wenn bestimmte Dinge zu machen wären. Die Duschen haben so halbhohe Westerntüren und ich überlege schon wie das Duschen in Wollsocken funktioniert. Der Platz ist direkt am Strand und mit Ausnahme eines kleinen Wohnwagens leer. 

Ich wollte hier ein zwei Nächte bleiben, es werden 10 daraus; an Weiterfahren ist nicht zu denken. Im ganzen Land hat es Ueberschwemmungen, Erdrutsche und  Schäden in den Küstengebieten.

Mit kurzen Pausen stürmt es die ganzen zehn Tage durch, am vierten Tag so stark, dass wir die Fahrzeuge verlegen müssen um etwas von diesem starken Wind geschützt zu sein. Salzige Gischt spritzt über den Platz, wenigstens ist es nicht kalt.

Den etwas klapprigen Eindruck des Platzes bügelt Alfonso, der Besitzer, und seine Frau mit ihrer herzlichen und fürsorglichen Art aus. Es ist mir selten passiert, dass ich in ein Restaurant sitze und der Wirt sagt willst Du mit uns essen, es gibt Spaghetti Vongole und Cozze. Als wäre ich bei einem Freund zuhause, und Freunde werden wir auch, nach einem langen Abend voll erzählen und diskutieren. 

Ich lerne Ute kennen. Sie ist 67 und lebt allein in ihrem Wohnwagen unterwegs, ohne festen Wohnsitz. Wir helfen uns etwas aus - ihr Auto zum Einkaufen, Gas auffüllen, meine Sprach- und Ortskenntnisse für Stadtbesuche in Neapel und Salerno, wo es für Alleinreisende nicht unbedingt am sichersten ist.

Am 17.11.2019 habe ich die Kanne voll von Sturm und Regen und dazu einen heftigen Hafenkoller. Den kriegt man übrigens auch in einem grossen Wohnmobil. Ich nutze ein kurzes Wetterfenster schamlos aus und flüchte nach Apulien. Erst kurz vor Brindisi hört der Sturm auf, und ich fahre bei blauem Himmel und sonniger Wärme bei Gallipoli auf den Camping Torre Sabea. 

Sturmtage

Ein Bild von einer der seltenen Sturmpausen. Alles ist nass, Salz- und Süsswasser bunt gemischt. Das Auto verlässt Du am besten durch das Fahrerhaus, und das fix sonst sitzt Du in einem See. Nach einigen langen Tagen und noch längeren Abenden macht sich der Hafenkoller breit. Es ist deprimierend, viel inaktive Zeit rufen die Gespenster auf den Planq und dann sagst Du Dir, immer noch besser als in Zürich bei Null Grad rumzusitzen. 

Ich habe ja alles dabei, Bücher, Laptop iPad eine Flasche Porto ausreichend Gigabyte um Mafiafilme auf Netflix zu schauen - weiss der Geier warum das auf die Dauer auch ermüdend wird. 

Nach wieder ein paar Tagen finde ich es - gemütlich! Keine Pendenzen, Zeit nachzudenken und herauszufinden, wie man von hier nach Marokko käme - was natürlich reiner Blödsinn wäre. Schlafen kann man auch noch, am Strand laufen aber mit der gebotenen Vorsicht und der ollen Regenjacke. Oder man kämpft sich die 50 Meter bis zur platzeigenen Bar und trinkt einen Cappuchino. 

Was ist das jetzt - Sonne? Raus aus der Karre, Liegestuhl aufstellen, 30 Minuten durchatmen und dann wieder rein, die nächste Attacke ist im Anmarsch. Ok ich könnte ja nochmal staubsaugen, das Wasser im Tank sollte aufgefüllt werden.. die Wäsche ist gemacht also ruhigen Mutes alles schön verschieben auf die nächste Sturmpause.

Gallipoli

17.11.2019 Sonnenuntergang gleich vor dem Camping Torre Sabea. Es ist fast windstill, mild und unglaublich intensiv nach diesem Mistwetter in Salerno. Torre Sabea ist einer der wenigen ganzjährig geöffneten Plätze in Süditalien und dazu wunderschön. 

Eigentlich ist es ein Agriturismo mit Stellplätzen inmitten von Oliven- und Feigenbäumen. Einfach aber sauber mit allem was es braucht. Die Leute, denen der Platz gehört nehmen mich sofort sehr herzlich auf und ich fühle mich auch gleich zuhause. Wieder einmal beneide ich keinen, der die Sprache nicht spricht.. 

Ich suche ein offenes Restaurant - zuerst vergeblich, diese Zone ist auf Sommertourismus ausgerichtet und das meiste ist zu. Es gibt aber nicht weit vom Platz eine von aussen etwas schräg anmutende Pizzeria, die in Wahrheit hervorragend ist. 

Mit Rücksicht auf das Budget und die Gesundheit ist mein Rythmus unterdessen der folgende: 1 Tag auswärts, nächster Tag selber brutzeln, wieder auswärts und so weiter. Es ist auf die Dauer mental nicht gesund, jeden Tag allein in einem Restaurant zu essen. 

Das Wetter ist bis am Sonntag dem 24.11. traumhaft. 18-20 Grad, 6-7 Stunden Sonne. Ich lasse das Wohnmobil waschen und quatsche mit den Fischern am Strand. Dann trifft uns ein Sturm und der hat Biss. 

An Schlaf ist nicht zu denken, mein Rollhäuschen schaukelt in der Federung wie ein Boot hin und her. Als sich die Böen um drei Uhr morgens zum Inferno steigern stehe ich auf und mache Kaffee. Sollte sich mein Camper auf die Seite legen, wäre ich wenigstens schon wach und bereit. 

Erdbeben in Albanien

26.11.2019 Ich bin um 03.00 morgens durch ein  heftiges Schütteln erwacht. Kein Wind, schräg, na ja war vielleicht eine einzelne Böe.

Kurz nach dem Aufstehen erfahre ich, dass in Albanien, ca. 250 km Luftlinie entfernt von hier, ein Erdbeben der Stärke 6.4 war. Ich bin fast etwas schockiert, im Epizentrum war ich diesen Sommer unterwegs.

In Italien ist wieder eine Brücke nach einem Erdrutsch eingestürzt, in Kalabrien Hochwasser. Während ich schreibe sitze ich ohne Tshirt in kurzen Hosen draussen. Verrückte Welt.. 
  
Ich schreibe meinem Freund Christoph und bitte ihn sich mal kurz über die Wetterkarte zu beugen. Sie zeigt, dass sich das Tief über England, das für den Südstau verantwortlich ist, langsam verzieht. 

Ein Blogleser stellt die Frage, warum das Wetter so wichtig ist für uns. Nun, unterwegs findet das Leben draussen statt, das ist aber ein Luxusproblem. Relevanter ist der Wind; bei 80km/h Seitenwind wird es mit unseren Kisten, welche den CW Wert eines Kühlschrankes haben, heikel.

Man will auch nicht unbedingt von einem übertretenden Fluss oder einem Erdrutsch erwischt werden, wenn es nicht sein muss und es sich durch die paar Minuten Studium der Wetterkarte vermeiden lässt. Spontan reisen ja - das muss nicht heissen blind..

Zeit verbringen

28.11.2019 Das ist auch eine spannende Frage: was machst Du den ganzen Tag? Ich weiss nur, dass der ganze Tag wie im Flug vergeht. Bis am morgen der Kaffee gemacht ist, die Hauskatze gestreichelt, der Service an Mann und Maschine und die Small Talks mit den Nachbarn erledigt sind habe ich meistens schon Mittag, obwohl ich um 08.00 aufgestanden bin. Die Dynamik nimmt zu wenn Wäschetag ist, Gas und Wasser aufgefüllt werden müssen, staubsaugen putzen - es ist wie bei Euch, nur habe ich ganz wenige m2. 

Essen in der Stadt, Einkaufen, den Zigaretten nachrennen.. Meine heiss geliebten American Spirit scheinen aus dem Land verbannt. Mit Hilfe eines Einheimischen habe ich sie nun doch gefunden.  Wieder Kaffee trinken, einfach an der Sonne hängen, Orte besuchen, fotografieren, entwickeln und auf die verschiedenen Plattformen verteilen - obwohl ich mich immer wieder frage wozu... aber Bilder sollten ja auch gesehen werden...

Salvatore bringt meine gefüllte Gasflasche, der Hund des Nachbarn will meine Katze fressen, ich habe gerade meinen Kaffee verschüttet weil Freund Kater die Panik gekriegt hat.. 

Es wird in dieser Jahreszeit früh dunkel und trotz milden Tagestemperaturen kühl oder klamm, je nach Feuchtigkeit. Man lernt, bestimmte Dinge auf den Abend zu verlegen, der lang sein kann, und das Tageslicht gut zu nutzen. Was sein muss: gegen 17.00 schaue ich, dass ich mit der Kamera am Strand bin. Die Sonnenuntergänge sind magisch! 

Ich rede in der Stadt mit allen möglichen Leuten, und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich das Verhalten ändert wenn man die Sprache spricht. Ute hat was gutes gesagt: ohne die Sprache bleibst Du ein Tourist, und das ist wahr. Mit der Sprache bist Du nach längstens einer Woche von den Leuten eingesogen. Vorausgesetzt Du bist offen genug dafür. 

Adventszeit

2.12.2019 Gestern war der 1. Advent und ich naiver Grünschnabel habe doch tatsächlich gemeint dass einem in Süditalien die Weihnachtszeit nicht mit dem Prügel um die Ohren geschlagen wird.. weit daneben.

Die Italiener zelebrieren den 1. Advent wie wir Weihnachten, die Stadt ist komplett voll, beleuchtete Schaufenster, alle vorstellbaren Dekorationen.... Meine Einstellung zu den Festtagen ist wieder dort angelangt wo sie vor vier Jahren war - möge es schlagartig der 6. Januar sein.. 

Ich gehe zum Strand und zermartere mein Hirn. Dann fällt mir ein, dass es oft schlauer ist man stellt sich den Dingen. Ich kaufe also ein paar Sachen, so richtig kitschiges Zeug, das werde ich am 24. aufstellen und, so hoffe ich, genug Sonne haben um meine Mini-Solar-Lampionkette aufzuladen. Wo immer ich dann sein werde, das ist nämlich auch noch nicht klar. 

Ist das schräg, hier am Strand zu sitzen und mir Gedanken über Weihnachtsdeko zu machen.. 

Umherstreifen

06.12.2019 Ich habe mir ein kleines Auto gemietet und diese magische Stadt besucht - Otranto auf der Adriaseite von Apulien. Das Wetter ist wieder mal für zwei Tage harsch, alles zusammen gerechnet jedoch schwer in Ordnung - definitiv ein gutes Winterquartier. Die Temperaturen fallen nicht unter 14 Grad. Es ist hier immer ein bisschen besser als im Rest von Italien; langsam kapiere ich auch die Verhältnisse, warum das so ist.

Die nördliche Verlängerung der Küste von Gallipoli ist wunderschön, Orte wie Santa Maria al Bagno atmen dieses Flair, das viele Küstenorte im Winter versprühen. Noch eindrücklicher ist die Südseite mit Santa Maria di Leuca, dem südlichsten Punkt Apuliens.

Ich streite mich bereits mit den Einheimischen, welches die Hot Spots sind und erfahre dabei viel über die Leute hier und die Lebensart. Alle warnen vor dem Sommer; Juli und August muss hier die absolute Hölle los sein. Kein Wunder, dieses Meer ist einfach traumhaft, von fast schwarz über Tiefblau bis smaragdgrün, nicht zu vergleichen mit anderen Orten auf dem Festland. Muss man sich aber nicht antun, ich habe Zeit und schon immer den Hang zu antizyklischer Bewegung.

Heute ist ja der Samichlaus. Viele gute Wünsche an Euch alle. Statt Erdnüsse knacke ich munter frittierte Scampi, die Mandarinen sind der Wahnsinn und ich sehne mich mit jeder Faser nach einem Käsefondue!