# 19 - Sylvester und das Feuerwerksverbot

Es ist wieder mal typisch für uns - es ist der 31. Dezember und wir wissen noch nicht was wir machen. Die Kids hatten genug Weihnachten und Gedöns, und wir sind planungsmüde. Spontan ist etwas aufwendiger aber viel lustiger und abenteuerlicher. 

 

Unser Dickschiff hat ja eine gute Heizung und ist im Uebrigen voll wintertauglich. Also laden wir kurz bevor es dunkel wird den Walfisch und verlegen nach Lugano Muzzano auf den Campingplatz. An Bord haben wir etwas Sylvesterausrüstung inklusive einiger Feuerwerke - allerdings verzichten wir auf Raketen und Stalinorgeln; im ganzen Kanton ist Feuerwerksverbot.

 

Wer nun gedacht hat, wir wären die Einzigen... weit gefehlt. Der Platz ist gut besucht, aber wir finden gleich am Wasser einen Platz mit einer fantastischen Aussicht. Es ist spät geworden und wir müssen noch an die Säcke - Strom anschliessen, WC bereit machen, kochen, Champagner kaltstellen und Pastete und Teufelshörnchen vernichten.

Um Mitternacht feuern wir am Strand ein paar grosse Vulkane an. Schnell haben wir Gesellschaft von anderen Wohnmobilisten, Man staunt - überall am Seeufer und auf den Hängen steigen die Raketen. Im Süden nehmen sie es eben immer noch nicht so genau, obwohl in 4 Tälern des Sopraceneri Waldbrände im Gang sind. 

Die Nacht wird eisig kalt, am Morgen liegt Reif auf dem Boden, uns wurst. Wir schlafen wie die Bären. Beim Aufwachen scheint schon die Sonne und die Temperatur steigt rasch gegen 14 Grad, allerdings nur im Windschatten. Wir fahren nach Lugano, da dürfte es auch etwas weniger windig sein. Dafür hat es Leute.... am Lungo Lago sieht es aus wie in einem Ameisenhaufen, gefühlte Tausende von Spaziergängern. Für einen Espresso bräuchte es wohl viel Geduld oder eine Stinkbombe, also treffen wir bewusst den Fehlentscheid an einem Foodstand Toasts und Sprite abzugreifen. Schrecklich - das Zeug ist aussen verbrannt und innen roh. 
 
Der Nachteil der Uferplätze in Muzzano ist die Distanz zu den Einrichtungen. Wasser holen, Klo leeren, Abwaschen, Abwasser entsorgen - zu Fuss ist das sportlich, aber mir stinkt es den Walfisch abzunabeln und zur Servicestation zu fahren. Wir rätseln auch wieder mal über den Füllstand der Gasflasche und nehmen das Risiko, das uns das Gleiche passiert wie im Oktober 2017 am selben Platz - das Gas geht immer morgens um drei aus. Diesmal hält es.
 
Am nächsten Morgen sehen wir uns bei herrlichem Wetter am Strand um und schauen mal den Verkehr und das Wetter an, denn am Abend soll es heimwärts gehen. Gotthard 7 km Stau, für das Gebiet San Bernardino ist starker Schneefall angesagt. Wir lieben ja diese kleinen Abenteuer, zockeln um 16.00 los und fahren am San Bernardino prompt in einen Schneesturm, der sich gewaschen hat. 
 
Starker Wind aus allen Richtungen sorgen dafür, dass streckenweise die Strasse nicht zu sehen ist und Seitenwind vom Feinsten unsere Fuhre hin-und her wirft. Auch auf der Autobahn von Chur nach Zürich liegt so viel Schnee, dass die Fahrspuren nicht mehr zu erkennen sind. Ich bin überrascht wie gut sich unser Walfisch im Schnee schlägt, auch wenn das eine oder andere Manöver den Blutdruck etwas hochtreibt - es bleibt ein 3.5 Tonnenteil; keine brüsken Manöver, viel Abstand zum Vordermann, weit vorausschauen, dann bleibt es auch bei diesen Konditionen entspannt. 
 
Wir stoppen noch kurz in der Raststätte Glarnerland und parkieren dann unseren Walfisch, der sich eine weisse Kappe zugelegt hat, im Gehege in Urdorf. Beim nächsten Mal werden wir mit einer optimierten Gasanlage unterwegs sein - morgens um drei kann uns mal ....

# 18 - Hooligans am Lago di Lugano

Unglaublich dieses Herbstwetter. Gut, verschieben wir das Engadin auf nächstes Jahr. Pontresina lockt, aber nicht bei Morgentemperaturen um die minus 4 Grad. Etwas schweren Herzens überfahre ich die Abzweigung in Thusis und folge dem San Bernardino.

 

Melano Paradiso - unser Favorit im Tessin. Der Platz ist leer, das Wetter spätsommerlich, wunderschön. Die 281 ist frei, ich mache alles bereit und niste mich ein. Ich bin solo unterwegs 👸❣️💏🚶‍♂️. Ohne schlechtes Gewissen stehle ich dem lieben Gott den Nachmittag und gleich noch den Abend. Irgend ein Geist, dem meine Faulenzerei stinkt, kappt die Sicherung des Stromanschlusses und legt kurz die ganze Bordelektrik lahm. Zum Glück weiss ich langsam wo die Tretminen sind.

Am nächsten Morgen bekomme ich Besuch. Wie streitsuchende Hooligans stolziert eine Gruppe Schwäne auf mich zu. Normalerweise halten die ja eine gewisse Distanz - nicht diese Freunde. Ich muss tatsächlich in‘s Auto flüchten, nachdem der Rottenführer versucht, fauchend seinen Schnabel an meinem Unterschenkel zu wetzen. 
 
Zu Fuss - mein Velo steht da wo ich es vergessen habe, nämlich in der Garage auf dem Parkplatz des Nachbars - erreiche ich Riva San Vitale, ein Städtchen mit mediterranem Flair am Südende des Luganersees. Es ist Samstag, und der bringt ein paar Leute auf den Platz. Auf dem Markt finde ich alles was mein Kühlschrank begehrt.
 
Uns gefällt ja auch das Freistehen; da ist meistens Wildniss ohne Hallo Nachbar. Ich wälze Pläne, den Walfisch komplett unabhängig von Landstrom zu machen. Zwei drei Tage und Nächte halte ich zwar mit den Bordmitteln durch - Heizung und Kühlschrank können auch mit Gas betrieben werden - dann muss ich fahren oder an den Landstrom.
 
Am Sonntag verlege ich zügig, das Wetter bricht ein und ich hatte eh noch vor im Bleniotal anzuhalten. Aber die aktuellen Staumeldungen am Gotthard lassen mich ohne Nachzudenken die Ausfahrt auf die San Bernardino Route nehmen. Es erwischt mich auch hier; Reichenau ist zu, ich fahre über die Kantonsstrasse, nur wenig besser. 
 
Auch am Walensee ist ein Gestopfe und Gedränge, via Murg erreiche ich einen Parkplatz direkt am See und richte mich nochmal halbhäuslich ein. Etwa zwei Stunden später beginnt zu regnen, sagt was Ihr wollt ich find das gemütlich. Das waren wunderschöne Tage an einem der schönsten Ecken der Schweiz.

#17 46°27′20″N, 8°56′18″O

Lieber die Herbstfarben im Engadin und dafür an der Kälte schlottern oder die noch warmen Tage im Tessin? Luxusprobleme namens Qual der Wahl. 

 

Ich stehe solo am Walensee 👸❣️💏🚶‍♂️es ziehen Gewitter auf und ich habe Zeit die Strassen- und Wetterkarten auszubreiten. Kaffee her und schauen. In Sankt Moritz ist es in der Nacht bereits unter Null. Das Tessin verspricht 28 Grad, wir haben zwar genug geschwitzt die letzten Wochen aber ich fahre kurzentschlossen über den Gotthard und parke den Walfisch in Aquarossa im Bleniotal.

 
Auch hier zieht langsam der Herbst ein. Nach einer kühlen Nacht mit Nordwind ist das Licht traumhaft, klar und satt. Die Touristen sind weg, ich habe den Platz fast für mich allein. Zeit zum Lesen, Nachdenken und Kochen. Am Ufer des Brenno kaum 20 Meter entfernt hat die Natur eine Art Garten angelegt; eine seltsame positive Ausstrahlung geht von diesem Platz aus. 
 
Als ich zum Walfisch zurück komme sitzt ein kleiner freundlicher Kater vor meiner Tür und schaut mich fragend an. Ich nehme ihn auf den Schoss und denke an meine Liebsten und die Katzenfamilie in Sardinien. 

19 Grad auf dem Lukmanier. Das ist eine fantastisch schöne Gegend. Hier sind Pilzsammler unterwegs, eine davon verblüffend; blind und mit Stock hat sie die meisten Pilze in ihrem Korb. Auf einem Wegweiser entdecke ich eine Route zum Passo del Uomo; sie führt zwischen zwei Felsnadeln durch die mich schon länger faszinieren; mit meinen Flip Flops ist da allerdings nicht viel zu machen. Wird also ein anderer Tag sein. 

Einkaufs- und Putzwaschtag. Mit dem Velo ist das ein Challenge, in den nächsten Ort mit Läden zu fahren und mit zwei Einkaufstüten zurück zu fahren, denn der Platz liegt ziemlich weit weg von Malvaglia und ein steiles Stück die Lukmanierstrasse hoch. Ich organisiere meinen Bruder, der in der Nähe wohnt. Für meinen Katzenkumpel kaufe ich etwas beim Metzger und einige Steaks für die grossen Jungs. 

Genug vom Campingplatz. Ich fülle das Wasser auf, checke die Batterien und parke den Walfisch wild oberhalb von Aquacalda am Lukmanierpass. Hier befindet sich einer der dunkelsten Orte der Schweiz, perfekt für alle die wieder mal einen richtigen Sternenhimmel sehen wollen. Allerdings sieht es schwer nach Gewitter aus, und das kann hier oben spannend sein. Und das ist es; an Schlafen ist auch nach zwei sauren Most (mit) nicht zu denken, aber das Schauspiel ist unglaublich. Kurze Zeit später beginnt es heftig zu regnen, ich fahre früh ab nach Zürich und versorge den Walfisch. 

Das Wildstehen hat andere Reize als die Campingplätze, nur braucht es etwas mehr Vertrauen in sich und die Welt wenn man das allein macht. 

#16 Toscana

Unseren Plan, auf’s Geratewohl nach Kroatien zu fahren, lassen wir kurzfristig fallen. In der Hochsaison scheint es eine sehr beliebte Destination zu sein; die schmalen Strassen, zahlreiche Fährverbindungen und die Hauptreisezeit versprechen Chaos, und darauf haben wir keine Lust.

 

Wir entscheiden uns stattdessen für den Süden der Toscana. Auch hier scheinen die freien Plätze zwar eher begrenzt, aber im Camping Il Sole in Marina di Grosseto können wir noch reservieren. Warum es hier noch Platz hat, erfahren wir später. 

 

Wir machen den Walfisch startklar, unsere erste Station ist Lugano. Der TCS Camping in Muzzano liegt direkt am See und ist ideal für die erste Etappe einer längeren Reise - 3 Stunden Fahrt halten die Kiddies unterdessen gut aus.  

 

Von hier aus fahren wir am nächsten Tag Bologna an. Ich habe diese Stadt, ihre Ausstrahlung und die wunderschöne Architektur aus früheren Reisen in guter Erinnerung, und am Rand der Stadt gibt es einen anständigen Stellplatz. Also den Walfisch unter die Bäume gestellt, in denen mindestens eine Million Grillen wohnen müssen, und rein in's Gewühl, in 20 Minuten sind wir mit dem Bus im Zentrum. Ich freue mich wie ein Käfer, meinen Liebsten diese Stadt zu zeigen. 

 

Unschön aber, was wir hier antreffen. Die Stadt ist unterdessen regelrecht verschmiert mit Graffities und Tags und macht auch in der früher so charmanten Einkaufsmeile einen verlebten und ärmlichen Eindruck. Armes Italien? Die Pasta bei Vittoria ist allerdings noch dieselbe; hausgemacht und just love. Wir fahren relativ spät zurück zum Walfisch, diesmal per Taxi. 

 

Am nächsten Tag fahren wir nach Marina di Grosseto. Auch diese ehemalige Perle der Toscana macht einen etwas abgerauchten Eindruck, aber der Campingplatz il Sole, den wir ansteuern, erschlägt uns. Ein an sich schöner Pinienwald, schattige Plätze, aber die siffigen Zeltinstallationen und eine Infrastruktur aus dem letzten Jahrhundert schaffen die Atmosphäre eines Flüchtlingslagers - und wir parken da unser Luxusmobil... Nein. Zudem bedeutet 'poci passi' (wenige Schritte) einen Fussmarsch von etwa 20 Minuten bis an's Meer, das sich hier optisch von der Umgebung nicht unterscheidet. Wir räumen zusammen und fahren weiter. 

 

12 km weiter westlich erreichen wir Castiglione della Pescaia. Hier sieht es rundherum viel besser aus. Der Campingplatz Baia Azzura bietet ordentliche Stellplätze, eine grosszügige und teilweise modernisierte Infrastruktur mit zwei schönen Pools und Nähe zum Strand mit sauberem Wasser. Klar, es ist voll, aber friedlich, und eigentlich nervt nur etwas - die konstante Animation, der nach Studium des Veranstaltungsplanes kaum ausgewichen werden kann. Wir haben nie begriffen was das soll; 20 Hupfdohlen im Wasser des Pools verrenken sich vor minderjährigen Animatoren zu Technosound - ob die Leute in ihrem normalen Leben wohl zu wenig zu tun haben? Die Technotrommeln sind bis ca. 01.00 aktiv - zum Glück sind wir so geknebelt, dass wir trotzdem schlafen.


Der Strand hat jedoch etwas für sich; das Wasser ist sauber, nicht tief aber klar, und die Abendstimmungen sind schlicht einzigartig. Wir finden ein einfaches Restaurant, wo man hervorragend isst; die Spaghetti Vongole sind so gnadenlos gut dass wir eine Stammgastschaft eröffnen - nein, auf Kochen haben wir wenig Lust. Die Hitze ist teilweise unglaublich, wir verbringen die meiste Zeit im oder am Wasser, das allerdings langsam auch auf Körpertemperatur liegt.  

 

Nach 8 Tagen astreinen Badeferien, die wir einmal tapfer bei 32 Grad mit einer Velotour nach Castiglione unterbrechen, haben wir es gesehen und machen uns auf die Rückreise. In der Nähe von Parma parken wir nochmal für drei Nächte im hügeligen Hinterland auf einem lustigen Platz namens Arizona. Hier ist viel weniger los als am Meer, es hat Platz obwohl die Ferien in Italien begonnen haben. Wieder mal haben wir tierische Nachbarn; rechts zwei frischgebackene Nichtraucher in Form eines Paares aus Holland, das unser zugegebenermassen im Teamwork gelungenes Landemanöver beklatscht und uns nach kurzem Gespräch die letzten Camel Filter wegraucht, links ein spielfreudiger junger Hund, leider nicht von der kleinen Sorte. Aus unseren kollegialen Rammlereien gehe ich gezeichnet hervor.  

 

Am Abend des 1. August sind wir wieder in Lugano Muzzano. Der Schweizer und sein 1. August - sämtliche Zufahrten zu unserem Platz sind mit Tischen, Racletteöfen und Grills verstopft. Strategisch haben wir uns angewöhnt, jeweils am Abend die Etappen zu fahren. Die Kids sind geduldiger, haben ihre Energie schon etwas abgelassen und die Stimmung draussen ist immer ganz speziell. Das rächt sich jetzt. Nachdem wir jede Seitenstrasse auskundschaftet haben, muss eine Gesellschaft aus Luzern dann weichen; ein aufziehendes Gewitter erleichtert das Gespräch, rasch räumen wir das Strassencafe beiseite und stellen den Walfisch ab. Als meine Liebste den Kaffee brutzelt, fallen die ersten Tropfen. 

 

Dank dem Regen startet auch das traditionelle Feuerwerk, das aufgrund der anhaltenden Trockenheit abgesagt war, doch noch. Vorher ziehen wir mit den Kids im spontan organisierten Lampionumzug um den Platz - bei den meisten erwachsenen Bewohnern scheint allerdings schon ordentlich Gerstensaft geflossen zu sein. 

 

Am nächsten Tag fahren wir heim - staubedingt wie meistens über den San Bernardino. Auf der Fahrt denken wir laut - Sommerferien im Süden - für nächstes Jahr hecken wir wieder etwas anderes aus; der Süden ist etwas für den Herbst geworden.

#15 Walensee

Uns bleiben ein paar Stunden Zeit den Walfisch wieder klarzumachen für den nächsten Trip zu viert, langsam haben wir aber Uebung. Die Kids wollen noch dies und das und wie meistens besteht zwischen Plan und Realität ein grosser Unterschied. Natürlich fahren wir zu spät ab. Wir wollen nach Weesen am Walensee auf den Campingplatz Gäsi. Zum Glück kennen wir die Leute da schon, um 20.00 schliesst der Platz aber eben - alles Organisationssache. 

 

Der Gäsi liegt am rechten Ufer des Walensees gleich gegenüber von Weesen und ist aus verschiedenen Gründen cool: er liegt direkt am Wasser, ist eine Stunde von daheim entfernt und hat einen richtigen Sandstrand. Die Stellplätze für Wohnmobile liegen grösstenteils unter alten Bäumen, und es scheint als wäre das Publikum von der normalen und netten Sorte. Weesen erreichen wir zu Fuss in ca. 20 Minuten, an der kleinen Seepromenade gibt es schöne Gartenrestaurants. Wir verbummeln den frühen Nachmittag in der Beiz und hauen uns dann mit Decke und Badehosen an den Strand. Trainiert wird ‚Schifere’, Sandburg bauen und in eisiges Wasser steigen - nein, Badewetter ist noch nicht. 

 

Im Gäsi gibt es einige Grill- und Essplätze direkt am Strand. Ich stelle trotzdem meinen Mini-Designpreis-Supergrill auf; wer das kleine Klapperteil sieht erwartet automatisch Siedfleisch, aber weit daneben: das Geschlachtete wird herrlich knusprig. Der Sonnenuntergang ist zwar nicht so spektakulär wie in Walenstadt, aber das Licht am Abend ist wunderschön, es sieht aus wie an einem Fjord in Norwegen - warum genau rennen wir eigentlich immer so weit weg obwohl wir die schönsten Plätze quasi vor der Nase haben? Da kann ich mich gleich selber an derselben nehmen... 

 

Am kommenden Morgen bricht das Wetter etwas ein, es wird kühler und erste Regentropfen fallen. Die Kids haben einen Spielkameraden gefunden, wir machen uns gemäss nicht abgemachter Abmachung hinter unser rollendes Haus - Frau räumt ein und um, sie ist hochpraktisch veranlagt und kann organisieren, Mann klärt die Aussenseite und das Klo, das verfl... Teil. Am Montag habe ich meinen dritten Termin beim Kloflicker....

#14 Poschiavo

Poschiavo ist für uns ein richtiggehend geschichtsträchtiger Ort. Keine Hoffnung schöpfen, die Details bleiben unter Verschluss. Bei traumhaftem Frühsommerwetter starte ich von Urdorf aus und rolle gemütlich über die Autobahn bis nach Thusis. 

 

Ich freue mich zu früh auf die Pässe; Julier und Bernina stehen auf der Routenliste. Schon kurz nach Thusis fahre ich auf einen stabilobossgrünen Car auf; ein Riesenteil, der für die Verengung in Bivio ein Manöver von 10 Minuten braucht. Wir fahren weiter wie ein Schneckenumzug, und bald gesellt sich zu unserem Konvoi ein Kieslaster und ein Betonmischer, welche die zahlreichen Baustellen vor uns versorgen. Im Kriechgang geht es den Julier hinauf. 

 

Unser Walfisch ist ja weiss Gott nicht untermotorisiert, aber schon die Strassenbreite verhindert ein halbwegs sicheres Ueberholmanöver. Am Hospiz schlage ich mich in die Büsche und warte 15 Minuten bis diese Elefanten Land gewonnen haben. In Richtung Sankt Moritz und Pontresina hat es weitere Baustellen, erst an der Bernina geht es wieder zügig voran. Diese Gegend ist unglaublich schön, nach vielen Jahren und unzähligen Besuchen bin ich wieder auf‘s Neue fasziniert. 

 

Am späteren Nachmittag erreiche ich den Campingplatz Boomerang, 20 Gehminuten vom Dorfkern entfernt und sehr schön gelegen. Der Platz ist fast leer, ich habe wieder mal freie Wahl und stelle den Walfisch mitten auf eine Wiese, ein wunderschöner Platz. Was tut man nun in Poschiavo? Solistentum  👸❣️💏🚶‍♂️. Ich miete mir mal erst ein Velo - ok es war ein e-bike und zwar von der gröberen Sorte; schliesslich bin ich schon ü40. Dann den Walfisch gut verriegeln; schwere Gewitter sind angesagt. Dann ist die Pizza im Hotel Albrici ein absolutes Muss. Ein Abstecher zum See (das Restaurant Mirolago ist immer noch Spitze) und zollfrei Einkaufen in Livingno muss ebenfalls sein. Schon die Fahrt über den Forcola ist sehenswert; was für eine Landschaft, und Livigno im Sommer ist irgendwie immer speziell lustig.

 

Für die Rückfahrt spare ich mir den Julier mit seinen Rotlichtern und aufgerissenen Strassen und verlade den Walfisch auf die Vereina. Es ist ein Nervenkitzel; den rechten Rückspiegel ziehe ich schon mal unfreiwillig ein und gebe mir beste Mühe, die Flanken nicht an der Reling des Bahnwagens abzustreifen. Nach rund 20 Minuten fährt man unterhalb von Klosters wieder raus, Augen gerade aus, rechts weg nach Lanquart, Autobahn nach Zürich, fertig. Ging fast zu zügig, aber gut so, denn am Abend starten wir schon wieder zu viert in Richtung Walensee und im Kühlschrank hallt es. 

#13 Aquarossa

Der Wetterbericht kündigt wieder Blitz und Donner an; gewohntes Bild im frühen Juni 2018. Ich will trotz der seit Wochen andauernden schlechten Prognosen in’s Tessin und überlege mit dem Motorrad zu fahren.

 

Oberalp Lukmanier; mir sitzt noch die letztjährige Erfahrung im Genick: starker Regen, noch stärkere Windböen und im Südteil so dichter Nebel dass wir die Strasse nicht mehr sahen. Da hole ich lieber den Walfisch aus der Garage und fahre los. Es ist schon sehr spät, als ich am Gotthard debattiere, ob ich eine freistehende Nacht auf dem Pass verbringe, was seinen ganz eigenen Reiz hat, oder direkt nach Aquarossa fahre. 

 

Ich bin solo unterwegs 👸❣️💏🚶‍♂️. Ich nehme mir vor, Freinacht auf dem Pass nur mit ihr und dann sollte es der Julier oder der Albula sein. Direkt gewinnt; gegen 22.00 fahre ich den gemütlichen kleinen Platz im Bleniotal an, mit einem etwas komischen Gefühl im Bauch: kurz nach Biasca war ein schwerer Unfall mit tödlichen Folgen, immer dieselbe Kurve...
 
Ich manövriere unseren Dicken auf einen guten Platz ohne Bäume; so ein dicker Ast, vom Blitz abgeschlagen, kann einem die ganze Nacht versauen. Es ist nicht ohne, allein im Dunkeln zu rangieren; trotz Rückfahrkamera braucht es etwas Erfahrung, die ich aber mittlerweile habe. Kurz die Tänke aufgefüllt, Strom gelegt und dann ab in die Falle. Ein Gewitter zieht durch und bringt prasselnden Regen und plötzliche Kälte. Am frühen Morgen sind noch 10 Grad am Start; kein Grund den Kaffee drinnen zu trinken. 

Den kommenden Tag lasse ich ruhig angehen. Langeweile?- fragen mich meine alten Kollegen aus den Zeiten, in denen wir von dunkel bis dunkel im Büro hockten. Keine Spur. Vorausgesetzt man mag es sich selber zu unterhalten und kommt ohne Fernsehen aus, kann man wieder mal tun, was uns allen fehlt: nichts. Zudem gibt es am Fahrzeug immer etwas zu tun und entlang des Flusses, an dem der Platz liegt, gibt es einige zauberhaften Ecken, an denen auch ein kurzes Bad drin liegt. Reden wir nun nicht über Kürze, vor allem von Gliedmassen, aber die Temperatur weist klar auf Schmelzwasser hin. 

Mein Bruder kommt zu Besuch; ein Fleischfresser wie ich, gehört es mittlerweile zu unseren Gepflogenheiten, gescheit zu reden und grillflächefüllende Fleischstücke zu brutzeln. Am Abend regnet es wieder, aber auch im Bauch des Walfisches lässt es sich sehr gut wohnen. Auch am zweiten Morgen ist es sehr kühl und feucht. Ich kämpfe wieder mal mit der Gasflamme, da gibt es so einen Sicherheitsmechanismus, und frage mich wie meine Süsse das Ding austrickst. Gegen Mittag packe ich ganz gemütlich zusammen und fahre zurück nach Zürich. 

Das Bleniotal ist sehr eigen, wie vergessen von der Zeit, aber eine der schönsten und wildesten Ecken der Südschweiz. Ich liebe diesen kleinen und selten vollen Campingplatz sehr; er ist auch ein guter Ausgangspunkt für Touren in der Nähe. Hat man Glück (oder Verstand) und der Gotthard ist frei, ist man auch mit dem Dickschiff in 2 1/2 Stunden dort.